„Ein Ball – Eine Welt“

Interkultureller Tag der offenen Tür im BVB-Lernzentrum
Sonntag, den 05.06.2016 / 14:00 Uhr – 18:00 Uhr

 

Einleitung

Seit 2004 existiert mit dem BVB-Lernzentrum ein Ort für politische Jugendbildung am Lernort Stadion. Das BVB-Lernzentrum ist eine Initiative des „Fan-Projekts Dortmund e.V.“ und einer von zwölf bundesweiten Standorten des 2014 gegründeten Vereins „Lernort Stadion e.V.“. Die Veranstaltung „Ein Ball – Eine Welt“ widmet sich seit 2013 einmal jährlich dem Thema „Interkulturelle Öffnung“. Die Zahl der Kooperationspartner, Programmpunkte und Besucher konnte von Jahr zu Jahr stets vergrößert werden. Im vergangenen Jahr
erreichte die Besucherzahl mit 4.000 Gästen Ihren vorläufigen Höhepunkt.

Gesellschaftliche Integration als Herausforderung Aufgrund der aktuellen Situation von Geflüchteten in Deutschland und Europa sind die Themen Flucht, Asyl und gemeinsames Zusammenleben als gesellschaftspolitische Aufgabe von großer Bedeutung. Die aufgeheizte mediale Debatte darüber stellt häufig Krisen und Problematiken in den Vordergrund und leistet damit Ängsten und Befürchtungen „besorgter Bürger“ bzw. extremistischen Einstellungen Vorschub. Häufig richtet sich die Ablehnung diffus gegen jegliche Form von Andersartigkeit, z.B. durch Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit und trifft damit auch Menschen, die mit ursprünglichem Migrationshintergrund schon mehrere Jahrzehnte in Deutschland ihre (zweite) Heimat gefunden haben.

 

Ein-Ball-Eine-Welt-2016-Flyer

 

In Dortmund wird diese Ablehnung in besonders aggressiver Vorgehensweise durch Neonazis praktiziert, welche sich öffentlich präsent dem Thema bedienen um Ängste zu schüren. Integration im Fußball als Herausforderung Während ein vielfältiges Miteinander verschiedener Herkunft und Kulturen in der Mannschaft des BVB schon seit langem Normalität ist und Spieler “mit Migrationshintergrund“ es zu Legenden der Fanszene geschafft haben, konnte die interkulturelle Öffnung in der Fanszene selbst nur unzureichend vollzogen werden.

Der Grundstein zum Fandasein wird meist schon im eigenen, herkunftsdeutschen Elternhaus gelegt. Die oft zitierte These von Fußball „als Spiegelbild der Gesellschaft“ gerät in Schieflage, wenn man den Anteil von Migranten in der Dortmunder Bevölkerung mit dem Anteil von Migranten bei Heimspielen des BVB vergleicht. Insbesondere die Bewohner rund um den Borsigplatz, der Geburtsstätte des Ballspielvereins, fühlen sich nur unzureichend durch die Angebote des Vereins angesprochen. Die fortwährende alleinige Fokussierung auf Vereine in der ursprünglich türkischen, russischen oder sonstigen Heimat, kann als Indiz für ein unzureichendes Zugehörigkeitsgefühl zur deutschen Gesellschaft angesehen werden.

 

Über das BVB-Lernzentrum

Das BVB-Lernzentrum ist ein außerschulisches Bildungsangebot und findet in einer Räumlichkeit unter der Südtribüne des Signal-Iduna-Parks statt. Die Angebote richten sich überwiegend an junge Menschen aus gesellschaftlichen Kontexten, die von klassischen Formaten politischer Bildung oft nicht erreicht werden. Die Teilnehmenden werden unabhängig von ihrer Lebenslage wertgeschätzt und eingebunden. Die Angebote sind auf den Fußball bzw. auf Borussia Dortmund als roter Faden ausgerichtet und trainieren mit aktivierenden Methoden, Themen der politischen Bildung wie Zivilcourage, Interkulturelles Lernen, Antirassismus sowie Inklusion.

 

Ziele „Ein Ball – eine Welt“

Der Ballspielverein Borussia Dortmund ist großer Sympathieträger und zentrale Identifikationsmöglichkeit für zahlreiche Menschen aus Dortmund und Umgebung. Die Begeisterung für den Fußball als Volkssport verbindet Menschen in Dortmund über alle ethnischen Grenzen hinweg. Die Umsetzung von Integration im Fußball bei einem so emotionalisierenden Verein wie dem BVB bietet daher das Potenzial den interkulturellen Dialog in Dortmund nachhaltig positiv zu beeinflussen.

Mögliche Berührungsängste und Ressentiments verschiedener gesellschaftlicher Milieus können bei „Ein Ball – Eine Welt“ durch gemeinsames Erleben und Handeln abgebaut werden. Gleichzeitig soll mit der Veranstaltung ein kraftvolles Statement für eine Willkommenskultur gegenüber (Neu-) Einwanderern gesetzt werden. Dies geschieht bewusst in zeitlicher Nähe zum Aufmarsch der Neonazi-Kampagne „Tag der deutschen Zukunft“ am Samstag, den 4. Juni 2016 in Dortmund.

Zielgruppen:

  • Geflüchtete aus Erstaufnahmelagern
  • Migrantenselbstorganisationen
  • Sport- und Kulturvereine
  • Schulen und Jugendorganisationen
  • Netzwerkpartner der politischen Bildung des BVB-Lernzentrums
  • BVB-Fanclubs
  • Weiter BVB-Fanbetreuungsinstanzen

Das Fan-Projekt Dortmund zeichnet sich als Veranstalter u.a. durch die jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der Antirassismus Arbeit und die zahlreichen Kontakt- und Vernetzungsmöglichkeiten unter den BVB-Fans aus. Durch die bisherigen Veranstaltungen von „Ein Ball – Eine Welt“ hat sich ein großes Netzwerk aus verschiedenen Akteuren der oben genannten Bereiche gebildet, welches stetig wächst.

In diesem Jahr wird das bundesweite Integrationsprogramm „Willkommen im Fußball“ mit den jeweiligen Netzwerkpartnern des Standortes Dortmund zum ersten Mal in das Veranstaltungskonzept eingebunden sein. Deutschen wie migrantischen Vereinen oder Organisationen, die eine antidemokratische, nationalistische oder islamistische Gesinnung verfolgen bleiben von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Maßnahmen / Inhalte

Am Sonntag, den 05.06.2016 kommt es zur vierten Auflage des interkulturellen Stadionfestes des BVB-Lernzentrums. Unter dem Motto „Ein Ball- Eine Welt“ wird dieser in einer Kooperation von schwarz-gelber Fanszene und Einwanderern veranstaltet und bietet ein vielfältiges sportliches und kulturelles Programm im schönsten Stadion der Welt. Durch die positiven Erfahrungen der bisherigen Partner lassen sich in diesem Jahr neue weitere Gruppen, Vereine und Organisationen, die sich dem Thema „Integration“ widmen in die Veranstaltung einbinden.

Schon jetzt ist absehbar, dass 2016 ein neuer Besucherrekord aufgestellt werden kann. Jeder neue Kooperationspartner fügt sich dabei nicht in ein starres Veranstaltungskonzept ein, sondern kann eigene weitere Ideen und Anregungen zur Gestaltung des Tages einbringen. Aufgrund der regen Nachfrage wurde die Veranstaltungsdauer um eine Stunde auf den Zeitraum von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr erhöht, um genug Auftrittsmöglichkeiten für anfragende Gruppen bieten zu können. Des Weiteren profitieren die Kooperationspartner von fantypischen Merchandise-Artikeln (Schal, Aufkleber, Button), die unter dem Motto „Borussia verbindet“ extra für den Tag produziert werden.

„Ein Ball – eine Welt“ wird in folgende Veranstaltungsbereiche aufgeteilt sein:

Stadionvorplatz Nordtribüne:

  • Kleinfußballfeldanlagen „Streetkick“ für öffentliche Besucher bzw. als Spieltag der Interkulturellen Nordstadtliga „Bunt kickt gut“
  • Trampolinanlage
  • Kletterwand / Kistenklettern / Hochseilgarten

Stadionbereich unter der Nordtribüne:

  • Bühne 1 mit vielfältigem Kulturprogramm, gestaltet durch die Kooperationspartner inkl. fortlaufender Moderation
  • Weitere niederschwellige Mitmachaktionen wie Jonglage, Zauberei, Artistik unter Anleitung von ausgebildetem Personal
  • Weitere sportliche Aktivitäten wie Street-Run, Ball-Geschwindigkeitsmessanlage, Kicker, Hüpfburg unter Aufsicht von ausgebildetem Personal

Nordwest-Ecke des Signal- Iduna Parks:

  • Bühne 2 mit vielfältigem Kulturprogramm, gestaltet durch die Kooperationspartner
    inkl. fortlaufender Moderation
  • Interkulturell geprägtes kulinarisches Angebot
  • Zugangsmöglichkeit ins Stadion zum atmosphärischen Verweilen
    Logenbereich der Nordtribüne des Signal-Iduna-Parks:
  • Markt der Möglichkeiten mit interaktiven Beteiligungsmöglichkeiten
  • Aktivierende Mitmach-Angebote (Trommeln, Sportliche Angebote, Sprachen)
  • Politische Themen-Workshops zu „Fußball“ und „Interkulturalität“

 

Zudem lassen zahlreiche Stadionführungen die Besucher einen Blick hinter die Kulissen des Fußballtempels werfen. Für den jungen und alten Fan steht Vereinsmaskottchen Biene Emma als oft genutztes gemeinschaftliches Fotomotiv zur Verfügung. Impressionen zur letztjährigen Veranstaltung entnehmen Sie bitte folgendem Link:

https://www.youtube.com/watch?v=76FvJs1VYd0

Auf eine möglichst barrierefreie Gestaltung der Angebote wird besonderen Wert gelegt. Die Moderation der Hauptbühnen wird von sich abwechselnden Gebärdensprachdolmetschern ersetzt. Der Besuch der Veranstaltung und die Nutzung sämtlicher Angebote wird den Besuchern kostenfrei ermöglicht.

Öffentlichkeitsarbeit / Dokumentation / Evaluation

Die Veranstaltung wird wieder in sozialen Medien sowie mit Flyern, Plakaten und Aufklebern beworben. Erstmalig wird in diesem Jahr mit interessierten Pressevertretern aus der Region kooperiert, welche auf der einen Seite eine verbesserte Berichterstattung der Veranstaltung garantieren, sich auf der anderen Seite selbst aktiv mit einem Infostand und Mitmachaktionen ins Veranstaltungskonzept einbringen. Im Nachgang zur Veranstaltung wird ein Film zu Dokumentationszwecken angefertigt bzw. die Veranstaltung in Hinblick auf zukünftige Potentiale mit dem vorhandenen Netzwerkpartnern evaluiert.